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Ferragosto in Trani
Ferragosto: warum der 15. August in Italien kein normaler Feiertag ist

Es ist Ferragosto - in Deutschland bekommt das kaum jemand mit, in Italien steht das halbe Land still. Das Kuriose daran: Es ist derselbe Feiertag. Nur wird er hier und dort auf komplett unterschiedliche Weise begangen.

Ein Datum, zwei Welten

Der 15. August ist der Tag Mariä Himmelfahrt, das bedeutendste Marienfest der katholischen Kirche. In Deutschland ist er nur im Saarland und in einem Großteil der bayerischen Gemeinden gesetzlicher Feiertag, nämlich dort, wo mehr Katholiken als Protestanten leben. In Oberbayern und Niederbayern hat jede Gemeinde frei. Für die meisten Menschen dort, wo er gilt, ist es vor allem eines: ein willkommener freier Tag (außer er fällt wie 2026 auf einen Samstag, damit ist er für viele praktisch verpufft).

In Italien ist der 15. August landesweit Feiertag, und er ist weit mehr als ein Datum im Kalender. Ferragosto ist der Höhepunkt des Sommers, oft „Capodanno d'estate" genannt, das Neujahr des Sommers.

Der Name hat mit Maria übrigens gar nichts zu tun. Er kommt von feriae Augusti, der Ruhezeit des Augustus. Kaiser Augustus führte sie 18 v. Chr. ein, als Pause nach der Getreideernte, und sie fiel ursprünglich auf den 1. August. Erst deutlich später legte die Kirche die Feier auf den 15. August, den Tag der Aufnahme Mariens in den Himmel. Zwei Feste, eines römisch und eines christlich, sind hier zu einem einzigen verschmolzen. Und der Monat trägt bis heute den Namen des Kaisers, der die Ferien erfunden hat.

Wie ein italienischer Ferragosto abläuft

Tagsüber gehört der Tag dem Strand, und zwar der ganzen Familie. Von der Uroma im Klappstuhl bis zum Enkel mit Schwimmflügeln ist alles vertreten, dazu Sonnenschirme, Kühltaschen und ein oftmals hoher Grad an Organisation. Wer keinen Strand in der Nähe hat, fährt zum See, in die Berge oder macht nur eine gita fuori porta, einen Ausflug ins Grüne.

Am Abend wird gegessen, und zwar richtig. Antipasti, Primo, Secondo, Dolce sind an diesem Tag eher der schmale Rahmen als das volle Programm. Es gibt lange Tafeln, oft draußen, oft mit zusammengeschobenen Tischen, an denen drei oder vier Generationen sitzen. Das zieht sich über Stunden. Wenn du schon mal an so einem Tisch gelandet bist, weißt du, dass zwischen dem ersten Teller und dem letzten Espresso ein halber Abend liegt.

Mein Ferragosto in Trani

Ich habe Ferragosto in Apulien erlebt, in Trani an der Adria. Wie in allen beliebten Urlaubsorten ist dort an diesem Tag richtig etwas los. Schon in den Tagen davor merkt man, wie sich die Stadt füllt, am Vorabend ist schon alles voll, und am 15. selbst kommt der Rest dazu.

Was mich überrascht hat: Der Trubel war überwiegend angenehm. Das ist keine derbe Partystimmung und auch kein überlaufener Strandabschnitt im Teutonengrill-Style. Es ist ein Familienfest, das eine ganzes Land gleichzeitig feiert. Trani ist ohnehin lebendig, mit der Kathedrale direkt am Wasser und dem Hafenbecken, in dem abends die halbe Stadt spazieren geht. An Ferragosto war das noch einmal eine Stufe intensiver.

Was das für dich als Reisenden bedeutet

Ganz einfach: vorher buchen. Und zwar deutlich vorher.

Das gilt für Unterkünfte, für den Platz im Restaurant am Abend, für Liegen und Schirme am Strandbad. In den beliebten Orten ist am 15. August nichts mehr spontan zu haben. Wer abends ohne Reservierung durch die Gassen zieht und einen freien Tisch sucht, wird eine Weile suchen. Auch auf den Autobahnen und in den Zügen ist es voll, in den Tagen davor und danach besonders.

Zwei Auswege gibt es. Der eine: Du buchst rechtzeitig und lässt dich auf den Rummel ein. Für mich war Trani genau deshalb ein sehr gutes Erlebnis, weil man an diesem Tag sieht, wie Italiener miteinander feiern, und ein Teil davon ist. Der andere Weg: Du weichst aus. In abgelegenen Bergdörfern, im Binnenland der Toskana, in Umbrien oder im Apennin ist der 15. August ein ruhiger Feiertag mit Messe und Mittagessen. Nicht mehr.

Der zweite Termin, den du dir merken solltest

Wenn du solche Tage lieber umgehst, gibt es neben Ferragosto ein zweites Datum: der 2. Juni, die Festa della Repubblica. Der Nationalfeiertag erinnert an das Referendum von 1946, mit dem sich Italien gegen die Monarchie und für die Republik entschieden hat. Genau damals verschwand übrigens auch das Wappen des Hauses Savoyen aus der italienischen Flagge.

Gefeiert wird der 2. Juni nicht annähernd so ausgiebig wie Ferragosto, aber unterwegs ist gefühlt trotzdem das halbe Land. Fällt er günstig, entsteht daraus ein langes Wochenende, und dann sind Küsten, Seen und die bekannten Städte spürbar voller als sonst.

Du planst eine Italienreise und willst wissen, wann sich welche Region wirklich lohnt? Ich plane deine Reise individuell , abgestimmt auf Zeit, Tempo und Interessen.

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